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30/01/1999 Michael
Rein
last update
10/05/2001
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Motor
Einer der deutlicheren Unterschiede zwischen beiden Maschinen liegt
im Motor. Die R 100 GS, ausgestattet mit einem Luft- / Öl- gekühlten
2-Zylinder - 2-Ventil- Vergasermotor, ist trotz der immerhin 60 PS Maximalleistung
bei 6500 1/min und eines hohen Drehmomentes von 76 Nm bei 3750 1/min auch
im tiefen Drehzahlbereich in Spontanität und Leistungsentfaltung der
R 1100 GS mit ihrem 4-Ventil - OHC- Einspritzmotor deutlich unterlegen.
78 PS bei 6750 1/min und 97 Nm Drehmoment bei 5250 1/min sind in jedem
Fall mehr als aureichend auf der kurvigen Landstraße. Beide Motoren
drehen ab 2500 1/min bereitwillig hoch, wobei die 1100er ab 5000 1/min
noch einen zweiten Frühling erlebt. Der Verbrauch der 1100er ist mit
6 bis 7 Litern Super Bleifrei bei hastiger Gangart noch moderat. Um die
1000er ähnlich schnell zu bewegen, ist es notwendig, den Gashahn bisweilen
zum Anschlag zu öffnen. Dementsprechend liegt der Verbrauch auch einen
Liter höher, allerdings Normalbenzin. Als Wehrmutstropfen sind das
Schieberuckeln (Ruckeln dei konstanter Drehzahl) der R 1100 GS und, je
nach Baujahr (meine bislang noch nicht), undichte Zylinderkopfdichtungen
zu erwähnen.
Getriebe
Hakelig! Alle beide! Allerdings verwundert dieser Zustand nicht sehr,
denn beide nichtsynchronisierten Walzengetriebe sind weitestgehend identisch.
Das der 1100er ist dennoch deutlich feinfühliger, wohingegen die Schaltung
der R 100 GS nur gelegentlich ein Gefühl über den Verbleib der
Gänge vermittelt. Robust sind nach meinem Kenntnisstand allerindgs
beide Varianten, obwohl ich selbst bislang noch nicht sonderliche viele
Kilometer gefahren bin.
Fahrwerk
Beide Maschinen verfügen über eine Paralever - Einarmschwinge
mit integriertem Kardanantrieb. Im neueren Modell der GS hat BMW die Armlänge
der Schwinge nochmal um ca. 10 cm verlängert, so daß man nun
wahrlich nicht mehr von einer "Gummikuh" sprechen kann. Beide Maschinen
verfügen über rund 20 cm Federweg an der Hinterachse und sind
somit für längere Touren und leicht unwegsames Gelände geeignet.
Probleme bereitet das Serienfederbein der R 100 GS. Das verliert nach längerer
Beanspruchung Öl und ist ansonsten nicht sonderlich komfortabel. Demzufolge
hat BMW in den letzten Modellen der alten GS (R 80 GS Basic) schon das
wesentlich bessere White Power Federbein (Nachrüstung ca. 1.000 DM)
verbaut. Über das zentrale Federbein der 1100er läßt sich
nichts Negatives sagen: Es ist in 40 Stufen auch während der Fahrt
ohne Werkzeug verstellbar und in einem Rahmen, der keine Wünsche offen
läßt. In Bezug auf die Zuverlässigkeit der Zentralfederbeins
ist mir bislang nichts Negatives bekannt.
Zum Kardan ist zu erwähnen, daß das Kreuzgelenk an der Hinterachse
eine Hersteller empfohlene Lebensdauer von 100.000 km hat. Es sei ratsam,
die Lager bei 80.000 bis 100.000 km vorsorglich auszutauschen, wenn man
bis dahin noch keine Unregelmäßigkeiten bemerkt hat. Dies gilt
für beide GS. Ab Modelljahr 1998 wird in der R 1100 GS die verstärkte
Welle der K 1200 RS eingebaut.
Bei der Gabel tun sich schon Generationsunterschiede auf. Die neue
GS wartet mit dem technischen Schmankerl einer Telelevergabel auf, die
das Abtauchen beim Bremsen mit dem Vorderrad fast vollständig verhindert.
Diese spricht auch annehmnbar weich an, obschon die Lightversion der Gabel
in der 1150 GS vergleichsweise sensibler anspricht. Dagegen hat die R 100
GS eine gewöhnliche Telegabel in herkömmlicher Anordnung (Standrohre
unten, Tauchrohre oben), ebenfalls mit gut 20 cm Federweg. Diese ist für
den harten Geländeeinsatz vielleicht ein wenig zu weich geraten; auf
der Straße ist das aber ok.
Fahrverhalten
Nicht zuletzt der Gabelgeometrie wegen zeigen beide Motorräder
ein deutlich unterschiedliches Fahrverhalten: Die R 1100 GS ist in allen
Reaktionen etwas träger und schwerfälliger, wenngleich ich auf
asphaltierter Straße das Fahrwerk für das beste halte. Denn
selbst im Grenzbereich verhält sich die 250 kg schwere 1100er völlig
neutral und aufgrund der Telelevergabel ist es ein Vergnügen, sich
mit dem Vorderrad in Kurven hineinzubremsen. Beladungen durch Urlaubsgepäck
oder Soziusbetrieb bringen das Fahrwerk der Neuen keinesfalls in Verlegenheit.
Kurze Lenkbewegungen werden zwar durch das erhöhte Gewicht noch unspontaner
umgesetzt, aber dennoch kann man die Maschine trotz Zuladung noch immer
traumwandlerisch sicher bis an den Grenzbereich führen. Als Empfehlung
der Dämpfereinstellung kann ich sagen, daß die Gabel gewichtsunabhängig
in der werksseitig eingestellten 2. weichsten Position gefahren werden
kann. Alle härteren Einstellungen wirken sich schon auf unebener Straße
(und noch viel mehr abseits der Straßen) direkt auf die Arme aus.
Das hintere Federbein sollte man nicht sonderlich hart einstellen, da ansonsten
auch dort die Schläge unverhindert stark übertragen werden. Manchmal,
wenn man auf unebenen Pässen ordentlich Gas gibt, dann kann man den
Dämpfer schon mehr als 10 Rasten zudrehen (13 - 17). Ansonsten fahre
ich (75 kg) ihn meistens bei 13 Rasten mit Gepäck und 10 Rasten ohne.
Ganz anders verhält sich dagegen die R 100 GS. Über genaue
Dämpfereinstellungen kann ich nichts sagen, brauche ich aber auch
nicht, da die meisten R 100 GS mittlerweile sowieso mit dem White Power
Federbein ausgestattet sind. Nur soviel ist sicher: Die R 100 GS fährt
sich im Vergleich zur größeren Schwester wie ein Fahrrad. Das
liegt hauptsächlich an den um 10 cm tiefer verbauten Motor. Durch
den tieferen Schwerpunkt bemerkt man auch die ähnlich hohe Masse (230
kg) nicht. Dies kommt ganz besonders der Fortbewegung abseits der Straßen
zu gute.
Dennoch sind beide Fahrzeuge für den Off-Road-Betrieb nur sehr
bedingt tauglich. Mit über 200 kg sind beide Kandidaten deutlich zu
schwer und die 20 cm Federweg reichen meist nicht aus. Insofern sind es
doch Reiseenduros für die Straße und lassen sich in den Kurven
ohne Probleme bis auf die Zylinder einlenken..
Bremsen
Auch in Punkto Bremsen ist ein Generationsunterschied deutlich sichtbar.
Während die R 100 GS, ausgestattet mit einer Einscheibenvorderradbremse
und einer teigigen Trommelhinterradbremse (die man nur selten zum Blockieren
bringt), nur äußerst schleppend zum Stand gebracht werden kann,
greifen die Brembo - Doppelscheibenbremse und die Einscheibenbremse der
1100er weich, feinfühlig und bei Bedarf auch kräftig. Als Tip:
Die Bremsbeläge der 1150 GS sind die Überarbeiteten der 1100er
und sind somit noch griffiger. Besonders empfehlenswert ist das ABS. Leider
läßt es sich nur bei einem Motorneustart ausschalten / einschalten.
Dem sportlich ambitionierten Straßen-Fahrer einer R 100 GS kann
ich nur zum Umbau mit einer Doppelscheibenbremse raten. Dabei kann die
Gabel, sofern es das Finanzbudget zuläßt, auch gleich gegen
eine White Power Gabel getauscht werden. Ansonsten ist die Bremsleistung
der R 100 GS bei runder Fahrweise immernoch mehr als ausreichend.
Zuverlässigkeit, Langlebigkeit & Wartungsfreundlichkeit
Dazu kann ich aus eigener Erfahrung bislang nicht allzu viel sagen.
Doch der Ruf eilt der Marke BMW voraus. Für die Wartungsfreundlichkeit
bekannt, sind beide Modelle meistens selbstgewartet. Da dies mit viel Liebe
geschieht, fahren nicht wenige mit schon mehr als 100.000 km Laufleistung
herum. Problempunkte sind wie oben erwähnt das Kreuzgelenk und die
Zylinderkopfdichtungen. Ansonsten sollte ein Motor dieser Bauart ewig halten
(vergleiche VW Käfer). Das Motormanagement der R 1100 GS ist etwas
anfälliger bei Abweichungen von europäischen Standardbedingungen,
allein schon bedingt durch die umfangreiche elektrische Ausstattung: Einspritzanlage
und Katalysator.
Charakter
Obwohl beide Motrräder Reisenenduros aus dem Hause BMW sind, sind
die Charaktere beider Maschinen deutlich verschieden. Die R 1100 GS ist
die ideale Reisemaschine: Zuverlässig und nahezu unauffällig
perfekt. Beim Starten springt sie garantiert sofort an, Vibrationen sind
weitestgehend gedämpft, ebenso wie die Motoren- und Auspuffgeräusche.
Das Fahrverhalten auf der Straße ist mit "neutral bis perfekt" treffend
umschrieben und es gibt eigentlich nur einen konstruktiven Nachteil infolge
des hohen Schwepunktes: Wenn sie im Stand kippt, dann hält sie nichts
und niemand mehr!
Schon beim Kaltstart merkt man den Unterschied zur R 100 GS. Letztere
schüttelt und rüttelt sich, was selbst im warmen Betriebszustand
nicht deutlich nachläßt. Das Fahrwerk und die nicht ganz so
souveräne Straßenlage forden nicht permanent nach der rechten
Hand. Sie ist eher die Maschine für die ruhigere Tour und die geschickte
Fahrt.
Tourentauglich sind sie beide. Den Wind von vorn merkt man erst bei
Geschindigkeiten jenseits der 140 km/h. Beide Tanks fassen 24 Liter und
reichen somit für 350 bis 450 km Fahrstrecke. Inspektionen alle 10.000
km sind völlig ausreichend und ebenso lange zeigt ein Satz Reifen
bei nicht besonders harter Gangart noch Profil.
Nur "Gummikühe" sind sie beide nicht mehr!
Empfehlung & Unterscheidung
Auf der Straße ist die R 1100 GS sicherlich die Königin
unter den Reiseenduros. Die Bremsen, das Fahrwerk, die Leistung, und die
hohe Zuladung; all das macht sie zur beliebtesten Reisemaschine, was die
Verkaufszahlen trotz des hohen Preises und der vergleichsweise zur R 100
GS geringfügig schlechteren Qualität beweisen (Stand 1999). Ganz
besonders winkelige Landstraßen und asphaltierte Pässe mit bis
zu 180° Kehren sind die Heimat dieses Motorrads, ob mit oder ohne Beladung,
ob solo oder im Soziusbetrieb. Der Name Enduro läßt sich hingegen
nur noch durch die spärlich vorhandenen Qualitäten auf Schotterpisten
und sehr leichtem Gelände rechtfertigen. Und dort sind besonders die
Speichen am Hinterrad rasch überfordert. Günstigerweise lassen
sie sich im Betriebszustand der Laufräder montieren.
Die R 100 GS hingegen sei denen ans Herz gelegt, die zwar ähnliche
Interessen haben, sich aber dennoch gern und häufiger abseits der
asphaltierten Straßen bewegen. Durch die bessere Handlichkeit und
vergleichsweise Leichtfüßigkeit der dennoch schweren Maschine
ist diese deutlich leichter zu manövrieren als das jüngere Pendant.
Vielleicht erwägt man dann sogar das Paris - Dakar - Modell mit dem
größeren Tank zu erwerben. Wer sein Motorrad in allen Lebenslagen
nicht nur spüren, sondern auch höhren möchte ist mit der
R 100 GS leicht zufrieden zu stellen.
Wem beide Motorräder noch zu "zivilisiert" erscheinen, der wird
bei HPN
bestimmt eine Alternative finden.
Anmerkung zur R 1150 GS
Der Motor der 1150er hat ein merklich höheres Drehmoment als der
1100er und greift schon bei 2500/min an, was durch den neuen Topf auch
wieder zu hören ist. Das neue 6- Gang- Getriebe ist ein Genuß:
Leichter und direkter zu schalten, der 6. Gang ist sinnvoller Weise als
Overdrive ausgelegt und auf Landstraßen überflüssig. Dennoch
landet man auch hier bisweilen zwischen den Gängen, wenn man zaghaft
die Kuh treibt. Dass die Neue eine ist, bewirkt die veränderte Paraleverschwinge
mit der 2 cm kürzeren Momentenstrebe; wirkt sich jedoch nicht dramatisch
aus, eher unmerklich. Problem der neuen Konstruktion ist nur, dass sie
ganze Werbung für die Neue ad absurdum geführt wird, da allenfalls
nur noch ein "dünnerer" Stollenreifen in den Größe 140/80
R 17, nicht aber der Michelin Desert in Größe 140/90 R 17 an
das HR passt. Einen bemerkenswerten Unterschied bewirkt die Lightgabel
der 1150er. Sie spricht sehr sensibel an und zeigt infolgedessen leicht
intensivere Tauchbewegungen. Im Fahrverhalten sind die 20 kg Mehrgewicht
kaum zu realisieren. Veränderungen merklicher Art schlagen sich auch
in der Sitzposition nieder, denn die Fußrasten wurden um einige cm
nach oben verlegt (warum eigentlich?). Damit wird die höhere Sattelposition
schon vorgegeben und die Sitzhöhe steigt um 2cm. Was den Verbrauch
anbelangt, kann ich keine Angaben machen, da ich sie für präzise
Angaben nicht lang genug zur Verfügung hatte.
Summa summarum ist die 1150er aufgund des nur leichten Preisunterschiedes
gegenüber der 1100er die bessere Wahl. BMW hat sämtliche Veränderungen
angegangen mit dem Ergebnis, mehrere konstruktive Mängel ausgemerzt
und längst zufriedenstellende Aspekte weiter ausgebaut zu haben. Was
die Zuverlässigkeit anbelangt, werden die es nächsten 3 Jahre
zeigen müssen. Es ist eine noch bessere Reiseenduro entstanden die
nur noch den Anspruch auf Schotterweg- Offroad- Fakultäten besitzt.
Das ist allerdings nicht weiter tragisch, denn die 1100er war für
mehr auch schon längst nicht zu gebrauchen.
Mein Tip
Gedacht
war sie als krönender Abschluß der 2-Ventiler-Boxer-Generation,
die BMW R 100 GS Paris-Dakar Classic. Sämtliche Bauteile sind auf
letztem Stand. Dazu verleiht der schwarze Anstrich in Kombiantion mit den
verchromten Bügeln und den runden Ventildeckeln dem Spitzenprodukt
der GS-Reihe eine hinreißende Optik. Gebraucht ist ein solches Gefährt
nur schwierig und teuer zu erstehen. Dennoch, so ist meine persönliche
Meinung, sollte man dieses Modell auch dem neuen Boxer vorziehen. Wem der
Motor zu schwach sein sollte, der kann für rund 2.000 DM eine "schärfere"
Nockenwelle und die Kallenbach Doppelzündung eingebauen lassen. Das
sollte reichen.
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